Reden

Dringlichkeitsantrag Nichtschwimmerstau auflösen

24.06.2021

Plenarrede Berthold Rüth, MdL vom 24.06.2021

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Das Thema Schwimmunterricht hat viele Facetten; das erkennen wir anhand der vier Anträge und der Wortmeldungen. Es muss aber klar sein, dass der Sportunterricht insgesamt, aber auch der Schwimmunterricht aufgrund von Corona nicht stattfinden konnte. Ich denke, darüber sind wir uns alle einig. Einig sind wir uns auch, dass wir diesbezüglich dringend nacharbeiten müssen.

 Es ist zu erwarten, dass sich der Rückgang des Sportunterrichts auf die Gesundheit der Kinder auswirken wird. Wir hatten am Montag eine Sitzung des Landessportbeirates – einige Kollegen waren dabei –, bei der ein Professor von der TU München, der auch für die Lehrerausbildung zuständig ist, einen Vortrag zu den Themen Sport, Motorik, Gesundheit, aktuelle Situation bei Kindern und Jugendlichen gehalten hat. Der Bayerische Handball-Verband hat dann anhand dieses Vortrages Lösungsmöglichkei ten aufgezeigt.

Ich kann das Ergebnis des Vortrags des Professors in Kürze darstellen. Es sei unstrittig, dass der Sportunterricht und der Schwimmunterricht zurückgegangen seien und das Auswirkungen auf die Gesundheit und auf die Motorik der Kinder habe. – Interessant war auch, liebe Kollegin Sandt, dass der Professor sagte, dass das Auswirkungen auf alle Kinder habe. Man könne das nicht sozial abschichten; alle Kinder seien von diesen Auswirkungen betroffen. Des Weiteren hat er festgestellt, dass beim Einzelsport die Entwicklung in manchen Bereichen zurück und in anderen Bereichen  nach vorne gegangen sei. Man muss dieses Thema also sehr differenziert betrachten.

Als weiteren Trend nannte er im Zusammenhang mit dem Rückgang der sportlichen Aktivitäten, dass der Konsum im Hinblick auf die sozialen Medien gestiegen sei. Die Kinder hätten mehr Zeit vor dem Bildschirm verbracht. Ich denke, das ist keine Neuigkeit; das haben wir irgendwie alle gewusst. Er hat das aber wissenschaftlich untermauert, meine Damen und Herren. Es ist wichtig, dass wir jetzt den Sportunterricht insgesamt, aber auch den Schwimmunterricht wieder vorantreiben. 

Meine Damen und Herren, ich möchte noch einmal die Frage aufgreifen, wer für den Schwimmunterricht verantwortlich ist. Ich möchte unterstreichen: Schwimmunterricht ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nicht nur der Staat, auch die Eltern sind gefordert. Ich nenne ein Beispiel: Wir müssen dafür sorgen, dass die Hallenbäder künftig häufiger und zu familienfreundlicheren Zeiten geöffnet werden. Bei dieser Öffnung brauchen wir aber die Allianz mit den Kommunalpolitikern; denn die Schwimmbäder befinden sich in den Händen der Kommunen. Die Kommunen bauen und finanzieren die Schwimmbäder. Deshalb brauchen wir die Sachaufwandsträger. Wir brauchen sie auch beim Thema "Transport von Schülern zum Schwimmunterricht". Im ländlichen Raum müssen Kinder oft eine sehr weite Strecke überwinden, wenn sie zum Schwimmbad fahren wollen. Der Sachaufwandsträger muss dann die Kosten für die Busfahrt übernehmen. Für manche Gemeinden ist das eine große Herausforderung. 

Meine Damen und Herren, ich bin froh und glücklich, dass wir in der letzten Legislatur- periode eine Enquete-Kommission zum Thema "Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern" gegründet haben. Sie wurde von Herrn Kollegen Dr. Rabenstein von der SPD angeregt. Wir haben da viele Empfehlungen ausgesprochen und natürlich auch den Punkt "Förderung von Schwimmbädern" in den Bericht hineingeschrieben. Ich bin froh, dass es die Koalition fertiggebracht hat, ein Programm mit insgesamt 120 Millionen Euro über sechs Jahre aufzulegen, um die Schwimmbäder zu unterstützen. In meinem Stimmkreis Miltenberg gibt es den Markt Mönchberg, der sehr stark von diesem Programm profitiert. Diese Gemeinde braucht keine 20 Millionen Euro, sondern ist schon froh, wenn sie eine Million Euro bekommt. Mit diesem Geld kann sie in einem Jahr 20 Schwimmbädern massiv unter die Arme greifen. Außerdem wurde die FAG- Förderung für Schulschwimmbäder erhöht. Die Gemeinden können also auch über das FAG enorme Gelder bekommen. Auch dafür gibt es ein Beispiel: Die Gemeinde Mömlingen baut mit FAG-Mitteln ein neues Schulschwimmbad.

Meine Damen und Herren, entscheidend ist, dass wir die Zahl der Klassen, die für ein Schulschwimmbad benötigt wird, auf 40 abgesenkt haben. Vorher waren es 60 Klassen. Das war ein gutes Signal des Freistaats Bayern an die Kommunen und Gemeinden. Meine Damen und Herren, wir kümmern uns nicht nur darum, Verbesserungen bei den Hauptfächern Mathematik und Deutsch zu erreichen. Wir bemühen uns auch, den Sport und die musischen Fächer voranzubringen. Gute Sportler sind in der Regel auch gute Schüler. Das hängt zusammen. 

Meine Damen und Herren, das Kultusministerium hat eine Reihe von Maßnahmen ge startet. Herr Kollege Gotthardt hat sie genannt; ich möchte sie jetzt gar nicht wiederholen. Er hat auf die Arbeitsgemeinschaft Sport und auf das Programm "Sport nach 1" und die Lehrerfortbildung hingewiesen. In den letzten fünf Jahren haben wir 1.300 Lehrkräfte fortgebildet. Außerdem haben wir die Möglichkeit eröffnet, dass Personen von außerhalb, die das Rettungsschwimmerabzeichen haben, diesen Unterricht erteilen können. Bei all dieser Euphorie müssen wir aber beachten, dass die Leute,  die den Schwimmunterricht erteilen können, auch abgesichert sein müssen. Wenn ein Unglück passiert, dürfen wir nicht einfach sagen: Es ist alles gemacht worden. Wir müssen juristisch absichern, dass niemandem etwas passiert, der diesen Unterricht erteilt. 

Meine Damen und Herren, es gibt ein Programm aus dem Jahr 2017/2018 vom Bayerischen Schullandheimwerk namens Schwimmfix. Damit konnten die Kinder bei einem Schullandheimaufenthalt von einer Woche Schwimmen lernen. In meiner Heimatgemeinde liegt das Schullandheim Hobbach. Dort wurde dieses Angebot gemacht. Dort war man ganz erstaunt darüber, dass die Kinder nach einer Woche zwar noch nicht perfekt schwimmen konnten, aber diejenigen, die vorher nicht schwimmen konnten, sind zumindest nicht mehr untergegangen, sondern konnten sich über Wasser halten. Alle Schüler, die bereits schwimmen konnten, haben durch das Programm einen Schritt nach vorn getan.

Meine Damen und Herren, ich glaube, dass wir an diesem Thema dranbleiben müssen. Deshalb werbe ich sehr dafür, diesen fraktionsübergreifenden Antrag zu unterstützen. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

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